Die Zahl der Gäste machte es deutlich: mit dem früheren Kinderarzt und langjährigen Stadt- und Kreisrat der Freien Wähler Dr. Wassilios Amanatidis wurde eine Persönlichkeit geehrt, die sich viele Freunde in der Stadt und im Kreis gemacht hat. Im Beisein von zahllosen Weggefährten erhielt der engagierte Bürger aus der Hand von Umweltminister Franz Untersteller das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland für seine vielfachen Verdienste überreicht.

Oberbürgermeister Jürgen Kessing dankte dem Stadtrat im Namen von Gemeinderat, Verwaltung und Bürgerschaft für sein Wirken, welches sich auf vielen Ebenen in den letzten rund 25 Jahren entwickelt hat.

Dr. Wassilios Amanatidis kam 1975, nach seinem Studium und der Facharztausbildung, nach Bietigheim-Bissingen und eröffnete seine Kinderarztpraxis, die er bis 2003 führte.

Herr Minister Untersteller überreicht das Bundesverdienstkreuz

 

1986 initiierte Dr. Amanatidis die Gründung des Vereins „Pontiakos Syllogos Panagia Soumela e.V.“ und leitete diesen Verein als 1. Vorsitzender bis 1991. Der Verein hat sich den Erhalt und die Weitergabe der pontischen Kultur und der pontischen Sprache zum Ziel gesetzt. Die Pontos-Griechen sind Nachfahren der Griechen, die die Küsten des Schwarzes Meeres besiedelten. Die christlichen Pontos-Griechen lebten dort, bis es in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts zu Vertreibungen durch die Türken kam. Die muslimischen Pontos-Griechen leben noch heute dort. Vor allem in Nordgriechenland, der Heimat von Dr. Amanatidis wird noch pontisch gesprochen, allerdings geht die Zahl der Pontisch-Kundigen zurück, da es an öffentlichen Schulen nicht gelehrt wird. Im Verein „Pontiakos Syllogos Panagia Soumela e.V.“, dem Dr. Amanatidis bis heute angehört, werden regelmäßig Musik-, Tanz- und Theaterveranstaltungen durchgeführt, auch für Kinder, die in landestypischer Tracht auftreten. Der Verein hat derzeit nahezu 500 Mitglieder. Dr. Amanatidis war hier über viele Jahre Initiator dieser kulturellen und gesellschaftlichen Ereignisse.

In den Jahren 1987 bis 1996 initiierte Dr. Amanatidis zahlreiche Spendensammlungen und Hilfsaktionen, z.B. für die Anschaffung eines Klaviers für ein 10-jähriges blindes Mädchen in Bietigheim-Bissingen, Lebensmittel und Medikamente für Waisenkinder in Rumänien, Medikamente und medizinische Hilfsgüter für die Kinder aus Tschernobyl oder für die Knochenmarkstransplantation eines 15-jährigen Jungen in Bietigheim-Bissingen. Bei den diversen Spendensammlungen für speziell vom Schicksal getroffene Jungen und Mädchen hat Dr. Amanatidis stets sein besonderes Talent eingesetzt, auf die Menschen persönlich zuzugehen, ein Schicksal, das besonderer Unterstützung bedurfte, aufzuzeigen und Hilfen zu organisieren. Bei der Spendensammlung für ein 10-jähriges blindes Mädchen im Jahr 1987 handelte es sich um eine Patientin von Dr. Amanatidis, die auf Vermittlung des Arztes, angeregt durch Zeitungsannoncen und Mundpropaganda von einem großzügigen Sponsor ein Klavier geschenkt erhielt. Zudem konnte der Kinderarzt einen Kontakt zu einem Lehrer herstellen, der Blinden unterrichtet. Die Hilfsaktion für Waisenkinder in Rumänien im Jahr 1990 war durch den Fall des Ceausescu-Regimes veranlasst. Dr. Amanatidis wurde durch ein befreundetes, aus Rumänien stammendes Ehepaar auf die desolate Versorgungslage in diesem osteuropäischen Land aufmerksam gemacht. Das rumänische Ehepaar sammelte Kleiderspenden und Dr. Amanatidis sammelte ergänzend Lebensmittel, Babynahrung und Süßigkeiten. Der Transport erfolgte dann über Kontaktpersonen des befreundeten Ehepaares. Für die Hilfsaktion und für die Kinder von Tschernobyl zwischen 1990 und 1995 kontaktierte Dr. Amanatidis in Eigeninitiative Pharmaunternehmen und Apotheken, um medizinische Hilfsgüter einzuwerben. Auslöser war das Wissen, dass seinerzeit Kinder aus Tschernobyl und deren Betreuer in Besigheim untergebracht waren. Der Transport der Hilfsgüter in die Katastrophenregion erfolgte durch das Rote Kreuz. Im Jahr 1996 wurde Dr. Amanatidis von Familienangehörigen eines leukämiekranken Jungen angesprochen, die sich um Spendengelder bemühten, da die teuren Voruntersuchungen in den USA für eine Knochenmarkstransplantation nicht von der Krankenkasse übernommen wurden. Dr. Amanatidis hat daraufhin in Eigenregie über Zeitungsanzeigen und Mundpropaganda zirka 15.000 DM gesammelt und der Familie des Jungen zur Verfügung gestellt. Nachdem auch ein passender Knochenmarkspender gefunden wurde, konnte die Transplantation erfolgreich durchgeführt werden.

Herr Dr. Amanatidis nebst Gattin

Im Jahr 2000 initiierte Dr. Amanatidis zusammen mit weiteren Vertretern der evangelischen Kirchengemeinde im Stadtteil Buch die Bürgeraktion „Mittagstisch an der Pauluskirche“. Das Wissen darum, dass viele ältere Menschen gerade im Stadtteil Buch alleinstehend sind und unter zunehmender Isolierung und Vereinsamung leiden, hat Dr. Amanatidis dazu bewogen, gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde und der Diakoniestation diese Kontaktmöglichkeit zu schaffen. Zusammen mit Helfern der evangelischen Kirche und der Diakoniestation wird im Gemeindezentrum der Pauluskirche im Bietigheim-Bissinger Stadtteil Buch jeden letzten Freitag im Monat ein gemeinsames Essen für Bewohner des Stadtteils organisiert. Es treffen sich regelmäßig rund 50 Menschen, vorwiegend ältere alleinstehende Frauen. Es geht dabei nicht um eine Armenspeisung, sondern darum, einen Treffpunkt für ältere Menschen zu schaffen. Das Essen wird für die Teilnehmer kostenlos angeboten, es wird jedoch um eine Spende gebeten, die von vielen Teilnehmern auch gerne gegeben wird. Dank eines stabilen Helferteams von zirka 11 Personen und mehreren großzügigen Spendern gelang es Dr. Amanatidis, die Durchführung des Mittagstisches seit dem Jahr 2000 bis heute regelmäßig zu organisieren und damit vielen Tausend Bürgerinnen und Bürgern aus Bietigheim-Bissingen die Gelegenheit zu geben, einmal pro Monat dem Alleinsein zu entgehen und beim gemeinsamen Mittagessen soziale Kontakte und Freundschaften zu knüpfen. Er ist nicht nur in der Organisation tätig, sondern gemeinsam mit den weiteren Helferinnen und Helfern während der jeweils dreistündigen Veranstaltung ganz persönlich im Einsatz als Ober, der Getränke und Kaffee serviert. Die Aktion läuft bis heute und wurde im Jahr 2005 vom Regierungspräsidium Stuttgart im Rahmen des Wettbewerbs zur Auszeichnung kommunaler Bürgeraktionen besonders erwähnt.

Im Jahr 2002 gründete Dr. Amanatidis den Verein „Pro Waisenhaus Süd-Ost-Asien e.V.“ (www.pro-waisenhaus.de), der sich für Spendensammlungen einsetzt, um Hilfsleistungen für Waisenkinder in Myanmar (Burma) organisieren und finanzieren zu können. Bis heute ist Dr. Amanatidis für seinen Verein aktiv tätig. Im Jahr 2004 konnte er ein Waisenhaus für 60 Kinder in der Nähe der Hauptstadt von Myanmar fertig stellen. Im Jahr 2008 gelang ihm der Wiederaufbau des von dem Zyklon Nargis zerstörten Hauses und die Einweihung eines zweiten Waisenhauses für 135 Kinder in Taunggyi in Burma. Die Gründung des Vereins „Pro Waisenhaus Süd-Ost-Asien e.V.“ im Jahr 2002 wurde angeregt durch einen Besuch in diesem armen Entwicklungsland in Begleitung eines Stadtratskollegen, der dort unternehmerisch tätig war und das Elend im Land zuhause in Bietigheim-Bissingen schilderte. In unzähligen Stunden setzte sich Dr. Amanatidis dafür ein, dass die Bürgerinnen und Bürger von Bietigheim-Bissingen von dem Schicksal der Waisenkinder in Myanmar erfuhren. Er organisierte Spendenaktionen, so war er z.B. höchst persönlich während des Bietigheimer Pferdemarktes an fünf Tagen von morgens bis abends sowie während des Bietigheimer Sternlesmarktes an zehn Tagen von morgens bis abends in der Bietigheimer Fußgängerzone an einem Stand präsent, um für „seine Waisenkinder“ Spenden zu sammeln. Dank dieses unermüdlichen Engagements konnte er inzwischen zwei Waisenhäuser in Burma aufbauen. Er bringt die Spenden, Sach- wie Geldmittel stets höchstpersönlich nach Myanmar, kümmert sich um Einreise- und Zollbestimmungen, um den Transport, um die notwendigen Genehmigungen vor Ort in Myanmar und um die Übergabe und Verwendung der Mittel, sodass sichergestellt ist, dass jeder Spenden-Euro ungeschmälert den hilfebedürftigen Kindern zugute kommt. Seine persönlichen Ausgaben für Flug und Aufenthalt trägt er stets aus eigenen Mitteln.

Seit dem Jahr 1999 ist Dr. Wassilios Amanatidis als Mitglied der Freien Wähler-Vereinigung im Gemeinderat der Stadt Bietigheim-Bissingen. Seit 2004 ist er darüber hinaus auch Mitglied des Kreistages im Landkreis Ludwigsburg. Auch seine Aktivitäten als Stadtrat in Bietigheim-Bissingen und als Kreisrat in Ludwigsburg belegen seine soziale, hilfsbereite, an Kultur und einem guten menschlichen Miteinander interessierte Haltung. Im Gemeinderat von Bietigheim-Bissingen ist er Mitglied des Verwaltungs- und Finanzausschusses, des Musikschulbeirates, der Arbeitsgruppe Dritte Welt, des Aufsichtsrates der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH und des Aufsichtsrates der orthopädischen Klinik Markgröningen gGmbH sowie der Regionalen Kliniken Holding. Auch als dritter ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters bringt Dr. Amanatidis seine besonderen Fähigkeiten als großer Menschenfreund und engagierter Bürgervertreter gleichermaßen vorbildlich ein. Im Kreistag des Landkreises Ludwigsburg, als Mitglied im Jugendhilfeausschuss sowie als stellvertretendes Mitglied im Kultur- und Schulausschuss und im Schulbeirat setzt er sein Wissen und seine beruflichen Erfahrungen ebenfalls engagiert ein.

Dr. Wassilios Amanatidis engagiert sich nun seit 25 Jahren für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bietigheim-Bissingen und weit darüber hinaus in ganz persönlicher Weise. Sein kommunalpolitisches und soziales Engagement ist mit einem hohen persönlichen Einsatz verbunden, der ganz außergewöhnlich ist. Sein besonderes Augenmerk galt stets den Belangen benachteiligter Kinder, ob als Kinderarzt, als Gründer zweier Vereine oder als Mitglied des Gemeinderates von Bietigheim-Bissingen – stets standen die Belange bedürftiger Kinder und Familien im Mittelpunkt seiner Bemühungen, die ihren Niederschlag in zahlreichen, mit großem persönlichen Einsatz durchgeführten Spendensammlungen und Hilfsaktionen gefunden haben. Dr. Amanatidis genießt insbesondere wegen seiner ausgeprägten Hilfsbereitschaft, seiner großen Kontaktfreude, seiner ansteckenden Fröhlichkeit und unermüdlichen Einsatzbereitschaft hohes Ansehen in der Bürgerschaft.



 


Kommentar schreiben

Mit dem Nutzen des Kommentarbereiches erklären Sie sich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.


Kommentar



Keine Events eingetragen