Grund und Boden ist besonders in unserer Region ein knappes Gut und nur begrenzt verfügbar. Die intensive Nutzung als Siedlungs- und Verkehrsfläche sollte daher kritisch hinterfragt werden.
So gibt es gerade im Landkreis Ludwigsburg die wenigsten Grün- und Erholungsflächen in der Region. Doch offensichtlich hält sich in vielen Köpfen unseres Gemeinderats noch die Vorstellung, dass die Wirtschaftsförderung unserer Stadt nur mit Ausweisung neuer Gewerbeflächen auf der grünen Wiese erfolgreich angegangen werden kann. Nur so ist es zu erklären, dass im Mai diesen Jahres eine Mehrheit im Gemeinderat neben einem Standort in Ingersheim für die Aufnahme einer 25 ha großen Fläche südlich von Bissingen entlang der Ludwigsburger Straße in den Regionalplan gestimmt hat.
Offensichtlich ist oder war einigen der Befürworter eines nicht ganz klar. Denn, steht diese Fläche einmal im Regionalplan, so wird in einem verbindlichen Zeitrahmen auch darauf hin gearbeitet.

Offensichtlich spielt es keine Rolle, dass wieder einmal Flächen und Ackerböden in Größe von rund 25 Fußballfelder der Landwirtschaft entzogen werden, ansässigen Landwirtschafts- und Gemüseanbaubetrieben die Entwicklungs- und Expansionsgrundlage genommen oder einfach nur unser Landschaftsbild durch Gewerbe- und Industrieanlagen verschandelt wird. Zudem wird vergessen, dass für dieses Gewerbegebiet wiederum entsprechende Ausgleichsflächen in gleicher Größe ausgewiesen werden müssen.
Dass durch eine Gewerbe- und Industrieansiedlung diesen Ausmaßes das Verkehrsaufkommen steigen wird, dürfte eigenlich jedem klar sein. So hat ein Verkehrsgutachten der Region für die Ausweisung eines ähnlich großen Gewerbegebiets in Korntal-Münchingen ergeben, dass täglich zusätzlich mit rund 2200 Auto- und 5500 Lkw-Fahrten zu rechnen ist. Dies wird bei uns sicherlich nicht anders werden. Wenn man dann die Lage unserer Stadt zum Gewerbegebiet Eichwald in Sachsenheim mit dessen geplanter Süderweiterung im Westen, zum geplanten gemeinsamen Gewerbegebiet in Ingersheim im Osten und diesem Gebiet im Süden unserer Stadt betracht, kann man sich lebhaft vorstellen, welche Auswirkungen dies auf den Verkehr in Bietigheim-Bissingen haben wird. Auf Dauer wird auch die Südumgehung dieses Verkehsaufkommen nicht mehr aufnehmen können. Dass ausgerechnet die Fraktionen der Ausweisung dieses Gewerbeschwerpunktes zustimmen, denen die Verkehrsproblematik Bietigheim-Bissingens so am Herzen liegt und daher die Verwaltung mit entsprechenden Anträgen ständig auf Trab hält, ist für mich vor diesem Hintergrund nicht mehr nachvollziehbar. Doch anscheinend wird durch die Aussicht auf zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen der Blick auf andere Dinge etwas getrübt.
Nach dem Grundsatz „Innen- vor Außenentwicklung“ sollten wir noch mehr die Potentiale im Bestand nutzen, bestehende Gewerbegebiete nicht in Wohngebeite umwandeln oder zur Ausweisung von kleinfächigeren Industrie- und Gewerbegebieten, die dann an bereits bestehende angeschlossen werden, die interkommunale Zusammenarbeit stärken. Anstatt großflächig auf der grünen Wiese Gewerbe anzusiedeln. So würden wir beispielsweise auch die bereits angedachte Erweiterung des gemeinsamen Zweckverbandsgebiets mit Tamm unterstützen.



 


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