Zum Thema Heimat hat Wassilios Amanatidis aus Bietigheim-Bissingen viel zu erzählen. In jungen Jahren ließ sich der gebürtige Grieche in Deutschland nieder, um Arzt zu werden. Stolz ist er sowohl auf Griechenland als auch auf seine deutsche Wahlheimat.
imageHeimatverbunden: Das Foto zeigt Wassilios Amanatidis mit Landesflagge und im Trikot der griechischen Fußball-Nationalmannschaft.

Sein Geburtsort befindet sich im Norden Griechenlands, mit 19 Jahren zog es ihn zum Studium nach Süddeutschland, wenige Jahre später ging es zum Wehrdienst erneut zurück in die Heimat, bevor er sich über Jahrzehnte hinweg eine erfolgreiche berufliche Zukunft als Kinderarzt in Bietigheim-Bissingen aufbaute: Im Gespräch mit Dr. Wassilios Amanatidis kann man viel darüber erfahren, was Heimat für einen Menschen bedeutet, der seine Wurzeln in zwei verschiedenen Ländern hat.

Wenn Amanatidis, der unter anderem seit vielen Jahren für die Fraktion der Freien Wähler im Bietigheim-Bissinger Gemeinderat sitzt, über das Thema Heimat spricht, spannt er einen weiten Bogen. Zum einen sei er natürlich „stolz darauf, Grieche zu sein“ – gleiches gelte jedoch auch für seine Wahlheimat Deutschland. Der Moment seiner Ankunft in Deutschland liegt zwar mehr als ein halbes Jahrhundert zurück, ist ihm jedoch noch so genau in Erinnerung, als wäre es gestern gewesen: „Ich habe mich am 3. November 1958 für das Medizinstudium in Heidelberg immatrikuliert“, erklärt Amanatidis und betont, dass es ihm der deutsche Staat in vielerlei Hinsicht ermöglicht habe, sein berufliches Ziel Arzt zu werden zu erreichen. Seine Erinnerungen an die Anfangszeit als Student mit griechischen Wurzeln in Süddeutschland sind sehr positiv. Unter anderem habe es in Deutschland die Regelung gegeben, dass Studenten bei besonders guten Noten Studiengebühren erlassen wurden – dies habe ihm die Studienzeit deutlich erleichtert.

Während Amanatidis von seinem 19. Lebensjahr an zunehmend in Deutschland Fuß fasste und in Heidelberg und mehreren anderen Städten Freundschaften fürs Leben schloss, klopfte im Alter von 26 Jahren der griechische Staat wieder bei ihm an: „Ich musste für zwei Jahre zum Wehrdienst nach Griechenland“, sagt Amanatidis und spricht mit Blick auf diese damalige Bürgerpflicht von einer lehrreichen und für seine Entwicklung wertvollen Zeit. Er habe während seines Wehrdiensts unter anderem in der 60 000-Einwohner-Stadt Korinth, in Athen sowie auf der Insel Chios seinen Dienst geleistet. Für die griechischen Inseln habe er sich auch in den folgenden Jahrzehnten immer wieder interessiert und mehrere von ihnen auf Reisen besucht.

Auf die Frage, woher er als gerade einmal 19-Jähriger den Mut genommen habe, seinen Weg hin zum Kinderarzt mit eigener Praxis in Bietigheim-Bissingen zu beginnen, sagt Amanatidis: „Ich musste Mediziner werden!“ Anderen Menschen zu helfen, habe er bereits in früher Kindheit als sein Ziel ausgemacht und kontinuierlich weiterverfolgt. In Deutschland hätten sich für sein berufliches Projekt damals die günstigsten Rahmenbedingungen geboten. Wie wichtig die Fähigkeiten gut ausgebildeter Ärzte im Ernstfall sein können, habe er als Kind im Alter von sieben Jahren selbst erlebt. Damals habe er eine akute Herzmuskelerkrankung erlitten und sei über drei Monate hinweg in einem griechischen Krankenhaus gelegen. Seine Mutter habe in dieser Zeit sowohl ihm als auch vielen anderen Menschen selbstlos geholfen. Daher stammte letztendlich auch der eigene Wunsch, anderen Menschen durch seine medizinischen Kenntnisse zu helfen.

Seine Erfahrungen, die er mit den unterschiedlichsten Menschen über die Jahrzehnte in beiden Ländern gesammelt hat, möchte er nicht missen und fasst zusammen: „Dort, wo du lebst, ist Heimat.“

Quelle: Bietigheimer Zeitung



 


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