Die Gemeinderatswahl ist vorbei, viele von uns sind erleichtert, dass die AfD keine Liste aufgestellt
hat. CDU und SPD mussten Federn lassen, die FDP konnte zulegen und die Grünen haben allen
Grund zum Jubeln.
Ich freue mich über die hohe Wahlbeteiligung, insbesondere bei jüngeren Wählern.
Was mich nachdenklich stimmt sind die Auswirkungen des sogenannten Rezo-Videos, das kurz vor
der Wahl über YouTube die Menschen erreichte. Das millionenfach angeklickte Video trägt den Titel:
„Die Zerstörung der CDU“.
Klar, die „Generation YouTube“ kennt und nutzt andere Formen, sich und ihre Meinungen zu
publizieren, als wir es bisher ganz klassisch über unsere Print-Medien oder allenfalls Online-Ausgaben
der Print-Medien getan haben. Diese Generation ist laut, sie hat Einfluss, sie reagiert schnell.
Doch Facebook und Social-Media-Analysen zeigen: keine Partei ist aktiver in diesen Medien
unterwegs als die AfD. Mit ihrer Digitalstrategie fängt sie Teile auch der jungen Generation ein.
Wir müssen feiern, dass junge Leute den Mut haben, alteingesessenen Parteien zu zeigen, was sie
von ihnen denken und diese Form der demokratischen und freien Meinungsäußerung willkommen
heißen.
Aber: nicht um jeden Preis. Deshalb würde ich mir die Berücksichtigung ethischer Standards
wünschen, so, wie sie im Journalismus grundsätzlich gelten. Um nicht missverstanden zu werden: ich
will zur Meinungsfreiheit ermutigen, aber nicht zur Meinungsmache. Beides liegt in den sozialen
Medien dicht beieinander. Können wir Regeln aus dem analogen Bereich auch auf den digitalen
übertragen? Die Pressefreiheit befolgt ethische Grundsätze, sie spricht keine Wahlempfehlungen
aus. Beiträge müssen, um nicht an der „Zerstörung“ von politischen Positionen beteiligt zu sein, den
Prinzipen von Wahrhaftigkeit, Sorgfalt und Angemessenheit entsprechen. Eine Partei, die für diese
Grundsätze digitale Experten einstellt, kann sich besser im Netz präsentieren, auch um den rechten
Meinungsmachern das Feld nicht kampflos zu überlassen. Deshalb appelliere ich an die Parteien der
demokratischen Mitte: lasst uns die Herausforderungen des digitalen Netzwerkens annehmen.



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